Literaturkreis im März – Nachlese zum 2. Treffen
Beim zweiten Treffen des Literaturkreises am 31. März 2026 in der Stadtbibliothek Mistelbach kamen bereits bekannte Gesichter zusammen – ergänzt um einige neue Teilnehmerinnen. Ziel des Literaturkreises ist es, persönliche Leseeindrücke zu teilen, neue Autorinnen und Autoren kennenzulernen und sich gegenseitig weiterführende Lesetipps zu geben. Beim ersten Treffen hatten wir vereinbart, dass wir beim nächsten Mal unsere absoluten Lesehighlights vorstellen.
Atmosphäre und Ausblick
Das Treffen war von einer warmherzigen und inspirierenden Gesprächsatmosphäre geprägt, viele Teilnehmerinnen gingen mit neuen Lesetipps nach Hause. Besonders beliebt sind die Romane von Joachim Meyerhoff sowie zeitgenössische Literatur österreichischer Autorinnen, die gesellschaftliche Fragen aus feministischer Perspektive beleuchten.
In der Mai-Runde stellen wir unsere aktuelle Lektüre vor – was wir gerade lesen oder kürzlich beendet haben, ganz unabhängig davon, ob es uns gefallen hat oder nicht.
Um eine kurze Anmeldung zur besseren Planung der Sitzplätze wird gebeten: buch@mistelbach.at oder telefonisch unter 02572/2515-6310.
Vorgestellte Lektüren der Teilnehmerinnen
Beatrice Hrusa, die neue Leiterin des Literaturkreises, eröffnete den Literaturkreis mit „Die Mittagsfrau“ von Julia Franck, einem Roman über die Lebensgeschichte einer Frau, die in den Umbrüchen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an Krieg, Verlust und den Erwartungen ihrer Umgebung fast zerbricht.
Es folgten persönliche Buchempfehlungen aus der Runde:
- „Anlass zu lieben“ von Nadine Gordimer (Tipp von Barbara): Eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Apartheid, die zeigt, wie politischer Druck Beziehungen und Selbstbilder verändert.
- „Fuchserde“ von Thomas Sautner (Tipp von Theodora): Zwei Familien im Waldviertel, deren Schicksale durch eine Liebesgeschichte und die Verbundenheit zur Natur auf dramatische Weise mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts verknüpft werden.
- „Man kann auch in die Höhe fallen“ von Joachim Meyerhoff (Tipp von Susanna): Humorvoll-melancholische Erinnerungen an Kindheit, Mutter und Theaterleben, in denen Alltagsbeobachtungen und existenzielle Fragen eng beieinanderliegen.
- „Lichtungen“ von Iris Wolff (Tipp 1 von Caro): Die innige Freundschaft zwischen dem kranken Jungen Lev und der Außenseiterin Kato wird in einem kommunistischen Vielvölkerstaat zur lebenswichtigen haltgebenden Verbindung.
- „Die Klavierspielerin“ von Elfriede Jelinek (Tipp 2 von Caro): Das beklemmende Porträt einer Klavierlehrerin, die unter der Kontrolle ihrer Mutter emotional verarmt und in destruktive sexuelle Abgründe gerät.
- „Die Großzügigkeit der Felsenbirne. Vom Glück des Schenkens“ von Robin Wall Kimmerer (Tipp 3 von Caro): Ein poetischer Essay über Natur, Schenkökonomie und die Idee, dass Großzügigkeit, Dankbarkeit und Verbundenheit unsere Welt heilen können.
- „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff (Tipp von Inge): Der Ich-Erzähler taumelt zwischen Schauspielschule und exzentrischem Großelternhaushalt und erzählt dabei komisch und berührend vom Erwachsenwerden und von Verlust.
- „This Book Made Me Think of You / Das Jahr voller Bücher und Wunder“ von Libby Page (Tipp von Elisabeth): Eine Frau erhält nach dem Tod ihres Mannes ein Jahr voller sorgfältig ausgewählter Bücher und findet über die Geschichten langsam wieder zu sich selbst.
- „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende (Tipp 1 von Elfriede): Eine Familiengeschichte voller Liebe, Macht und politischer Gewalt, in der sich die soziale Entwicklung Chiles im 19. Jahrhundert spiegelt.
- „Alte Dame, grauer Hund“ und „Geisterbahn“ von Lida Winiewicz (Tipp 2+3 von Elfriede): Feinsinnige, oft humorvolle Texte, die mit Empathie und Witz auf das Reisen in den USA und Wien sowie auf das Altern blicken.
- „Der stille Freund“ von Ferdinand von Schirach (Tipp 1 von Elisabeth): Ein reduzierter, nachdenklicher Text über Schuld, Wahrheit und die Frage, was Gerechtigkeit im Einzelfall bedeutet.
- „Mich in meinem Leben finden“ von Inge Patsch (Tipp 2 von Elisabeth): Ein Wegweiser mit spirituell-psychologischen Impulsen, der dazu ermutigt, den eigenen Lebensweg bewusst und wertschätzend zu gestalten.
- „Trag das Feuer weiter“ und die ersten Bände der Marokko-Trilogie von Leïla Slimani (Tipp von Katharina): Familien- und Gesellschaftsromane, die Frauenleben, Begehren und Machtverhältnisse zwischen Europa und Nordafrika über Generationen hinweg beleuchten.
- „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen (Tipp von Theresia): Ein Klassiker über Liebe, Missverständnisse und gesellschaftliche Zwänge im England des frühen 19. Jahrhunderts.
- „Nincshof“ von Johanna Sebauer (Tipp von Beate): Eine satirische Dorf- und Polit-Geschichte, in der ein kleiner Ort mit skurrilen Ideen plötzlich auf der großen Bühne landet.
- „Melody“ von Martin Suter (Tipp von Gerti): Ein älterer Mann bleibt über Jahrzehnte von der Erinnerung an eine verschwundene junge Frau besessen – ein Roman über Obsession, Geheimnisse und Erinnerung.
- „Verbrenn all meine Briefe“ von Alex Schulman (Tipp von Helga): Eine persönliche Spurensuche, in der alte Briefe eine tragische Liebesgeschichte und die Wurzeln familiärer Konflikte sichtbar machen.
Vorgestellte Neuerwerbungen der Stadtbibliothek
- „Eine von uns“ von Amelie Fried: Nelly verliert nach einem schweren Unfall ihres Mannes von einem Tag auf den anderen Wohlstand, Status und sicheres Leben und muss mit ihren Töchtern völlig neu anfangen.
- „Das Spiel“ von Rawle Aisling: Ein psychologisch aufgeladener Thriller, in dem junge Menschen in ein gefährliches, manipulierendes Spiel verstrickt werden, bei dem Wahrheit, Lüge und Identität verschwimmen.
- „Die Namen“ von Florence Knapp: Der Roman erzählt von einer Frau, deren Entscheidung über den Namen ihres Kindes großen Einfluss auf sein Leben hat. Wie wird sein Leben als „Julian“ sein, als „Bear“ oder „Gordon“?
- „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ von Lisa Ridzén: Der alte Bo kämpft darum, seinen geliebten Hund behalten zu dürfen, und blickt dabei mit Witz und Wärme auf die Schlüsselmomente seines Lebens zurück.
- „Zuflucht“ von Garry Disher: In diesem spannenden Kriminalroman kreuzen sich die Wege von Kleinkriminellen, einer Frau auf der Flucht und der Polizei – es geht um Schuld, Moral und die Suche nach einem sicheren Ort an der Küste Australiens.
- „Sie wollen uns erzählen“ von Birgit Birnbacher: Eine Mutter mit ihrem Sohn, der ADHS hat, eine überforderte Familie und eine dement werdende Großmutter stehen im Mittelpunkt eines Romans über Überforderung, Liebe und gesellschaftliche Zuschreibungen.
- „Erzähl mir alles“ von Elizabeth Strout: Im Küstenort Crosby in Maine denkt Lucy Barton gemeinsam mit alten Bekannten über ihr Leben nach, während das Verschwinden einer Frau und ein Mordfall leise Spannungen und verdrängte Gefühle freilegen.
- „Im ersten Licht“ von Norbert Gstrein: Erzählt wird das von Kriegen, Schuld und Zufällen gezeichnete Jahrhundertleben von Adrian Reiter, der als Zeuge historischer Ungeheuerlichkeiten immer wieder neu seinen Platz in der Welt suchen muss.
- „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner: Drei außergewöhnlich große Frauen aus einem Schwarzwalddorf ringen über drei Generationen hinweg mit Herkunft, Freiheit und Zugehörigkeit – ein poetischer Roman über Mütter, Töchter und die Kraft der Natur.
– ein breit gefächertes Angebot für viele Lesevorlieben.

